31. März 2008

Islam: freie Meinungsäußerung vs. kriminelle Provokation

Freitagskommentar vom 28. März 2008:

Seit mehr als vier Jahren hallen seine Hasstiraden bereits durch Holland. Sie zielen auf linke Intellektuelle, parteipolitisches Establishment – vor allem aber auf Muslime. Jetzt hat der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders ein korankritisches Video ins Netz gestellt, vor dem die Regierung sich schon lange fürchtete: Eine 15 minütige Collage aus Horrorbildern von islamistischen Anschlägen, untermalt mit Zitaten aus dem Koran, gesteinigten Frauen, Enthaupteten. Ein mutiges Zeugnis freier Meinungsäußerung – oder kriminelle Provokation eines Berufsquerulanten?

26. März 2008

Lesermeinung: CDU-Broder

Hallo CDU-Broder,

ich habe ganz vergessen Ihnen mitzuteilen, dass das Wahlgremium zum KROPF DES JAHRES (bestehend aus den Mitgliedern des Freundeskreis Feine Kerls Olaf und Ralle, also mich) Sie für 2007 einstimmig gewählt hat. Kompletten Beitrag lesen …

20. März 2008

Islamunterricht und Gebetszeit

Freitagskommentar vom 14. 3. 2007

Gestern haben sich muslimische Vertreter mit Innenminister Wolfgang Schäuble zur 3. Islamkonferenz getroffen. Ein Vorschlag der Konferenz: die Radikalisierung von Muslimen soll mit der Einführung von islamischem Religionsunterricht gestoppt werden. In Berlin kämpft derweil ein muslimischer Schüler dafür, während der Schulzeit beten zu dürfen. Sollte es demnächst neben dem evangelischen und katholischen Religionsunterricht auch ein muslimisches Fach an deutschen Schulen geben?

19. März 2008

Mein irrer PR-Agent

Werter Herr Broder!

island.jpegDas Icelandic Tourist Board hat seine deutsche Dependance angewiesen, also uns, eine bekannte Persoenlichkeit vorzuschlagen, die willens und in der Lage waere, als Repraesentant auf Veranstaltungen im deutschsprachigen Raum (z.B. Gruene Woche) die Belange Islands zu vertreten. Angesichts Ihres profunden Wissens ueber Land und Leute und der offen zur Schau getragenen Sympathie, die Sie Island und seinen Menschen entgegenbringen, fiel uns die Wahl nicht schwer. Wir koennen uns niemanden vorstellen, der geeigneter waere als Sie. Zunaechst dachten wir an Plakate in den Grossstaedten. Das Motiv finden Sie als Anlage - Ihr Einverstaendnis vorausgesetzt. Wir freuen uns darauf, Sie als neuen Honorarkonsul fuer besondere Aufgaben in unserem jungen Team begruessen zu duerfen. Darueber hinaus sucht Frau Bjoerk Guomundsdottir fuer ihre zahlreichen Fanzines einen Editor-at-Large. Falls es sich irgendwie einrichten liesse, waere sie Ihnen sehr verbunden.Es gruesst Sie

Skuli Jonsson
c/o Marketing

Islaendisches Fremdenverkehrsamt

18. März 2008

Customer Relations Management

Sehr geehrter Herr Broder,

wir bedanken uns zunächst für Ihren Flug mit InterSky und das damit verbundene Vertrauen in unsere Fluggesellschaft.

Ihre diesbezügliche Veröffentlichung haben wir – und sicherlich auch zahlreiche andere Spiegel-Leser – mit großem Interesse gelesen und bedauern außerordentlich, dass das Handling unserer Partner am Flughafen Tempelhof nicht zu Ihrer vollsten Zufriedenheit abgewickelt werden konnte. Da wir als familiär betriebene Fluggesellschaft besonderen Wert auf eine zuvorkommende Betreuung unserer Gäste legen, haben wir uns bereits mit unserem Handlingsagenten Acciona in Berlin in Verbindung gesetzt und erwarten unsererseits eine Stellungnahme. Bevor wir hier keine Rückmeldung vorliegen haben, gestatten Sie uns vorerst nur einige allgemeine Anmerkungen zum geschilderten Vorfall:

Handlingsagenten sind in der Regel und insbesondere bei kleineren Fluggesellschaften keine Angestellten der Airlines. Sie sind lediglich mit dem Service am Flughafen betreut und handeln zwar im Auftrag der jeweiligen Fluggesellschaft, sind dabei aber natürlich vollkommen eigenverantwortlich für Ihr Tun oder Unterlassen.

Ihr Resümee, in dem Sie von Flügen mit InterSky grundsätzlich abraten, bedauern wir außerordentlich. Wie Eingangs erwähnt findet der Vorfall – auch unter Rücksichtnahme der Verantwortung anderer Beteiligter – in unserem Hause großes Bedauern.

Als Geste der Versöhnung erlauben wir uns daher, Ihnen in den nächsten Tagen eine süße Entschädigung zukommen zu lassen und hoffen, Sie schlussendlich doch noch zu den vielen zufriedenen InterSky-Kunden zählen zu dürfen. In Anlehnung an Ihre Publikation halten wir eine Spezialität aus unserer Heimatregion, dem österreichischen Bodensee-Rheintalgebiet, für angemessen.

Für etwaige Rückfragen stehen wir jederzeit zu Ihrer Verfügung und verbleiben
Mit freundlichen Grüßen,

Claus Bernatzik
Geschäftführung

Maria Seidel
Customer Relations Manager

Lesermeinung

Dear Mister Henryk M. Broders,

I would like to take this opportunity to THANK you very much for your opposition against Dries van Agt and Mr Hajo Meyer. Kompletten Beitrag lesen …

13. März 2008

Bruchlandung in Tempelhof

blauhemd1.JPGFlug 803 der Intersky von Graz nach Berlin verlief problemlos, wenn man davon absieht, dass an Bord nicht einmal Wasser gereicht wurde. Weil die Landung ein wenig rau war, kam meine Linzertorte in zwei Teilen in Tempelhof an, sonst schien alles in bester Ordnung. Ich setzte mich neben das Gepäckband und wartete auf meine zwei Taschen, die ich in Graz eingecheckt hatte. Nach etwa 1o Minuten fiel mir auf, dass sich nichts bewegte, nicht einmal das Gepäckband. Ich ging rüber zum Intersky-Schalter, wo ein junger Mann im blauen Hemd so tat, als würde er arbeiten. Von ihm erfuhr ich, dass mein Gepäck im „Auslandsteil“ auf mich warten würde, während ich im „Inlandsteil“ auf mein Gepäck wartete. Zwischen dem einen und dem anderen Teil liegen etwa 2o Meter und eine Sperre, die man nur in einer Richtung passieren kann. Ob jemand von Intersky so nett sein und mir helfen könnte? „Sicher“, sagte der junge Mann im blauen Hemd, „aber erst wenn die Maschine abgefertigt ist“.

Ich setzte mich hin und schaute meine Linzertorte begierlich an. Nach weiteren zehn Minuten ging ich wieder zum Intersky-Schalter. Diesmal war der junge Mann noch hilfsbereiter. „Ich bin nicht zuständig“, sagte er, „ich bin heute überhaupt nicht im Dienst.“

blauhemd2.JPGIch wartete weitere zehn Minuten. Dann war eine halbe Stunde um, ein Drittel der Flugzeit.
Ich packte meine Digi-Kamera aus und ging wieder zum Intersky-Schalter. Falls Intersky jemals einen Wettbewerb „Der freundliche Mitarbeiter der Woche“ machen würde, wollte ich ihm eine Chance geben. Er freilich hatte keinen Ehrgeiz, für seinen Einsatz belohnt zu werde, griff zum Telefon und rief die Polizei. Eine Minute später waren zwei Beamte der Bundespolizei da und baten mich, zur Dienst-stelle mitzukommen. Der junge Mann im blauen Hemd kam mit.

Einsatzleiter Müller (Dienstnummer E 109718) machte sich mit dem Fall vertraut und verlangte von mir die Herausgabe meiner Kamera, um die Bilder, die ich gerade gemacht hatte, zu löschen. Ich hätte, sagte er, mich strafbar gemacht, der junge Mann im blauen Hemd (den er duzte) sei keine Person öffentlichen Interesses. Der behauptete zudem, von mir beleidigt worden zu sein, konnte sich aber nicht mehr erinnern, wie und wodurch. Herr Müller von der Bundespolizei ließ sich meinen Personalausweis geben, kopierte ihn und verlangte noch einmal ultimativ die Herausgabe der Kamera, die ich ihm verweigerte. Für den Fall, dass ich mich vom Tatort entfernen würde, drohte er mit der Anwendung „unmittelbaren Zwanges“. Und weil ich nicht kooperierte, forderte er bei der Landespolizei Verstärkung an.

blauhemd3.JPGIch nutzte die Wartezeit, um meinen Anwalt anzurufen, der Einsatzleiter Müller darüber aufklärte, dass er im Begriff war, sich der Nötigung und Freiheitsberaubung im Amt schuldig zu machen. Herr Müller widersprach: Es gehe um eine „strafbare Handlung“, die er verhindern müssen. Inzwischen waren zwei Kollegen der Berliner Landespolizei eingetroffen; ich, meine Linzertorte und die Digi-Kamera waren von insgesamt fünf Ordnungshütern umstellt. Nach einer knappen Stunde und einer weiteren Intervention meines Anwalts durfte ich gehen, ich musste nur versprechen, die Bilder nicht ins Internet zu stellen.
Nach dieser Erfahrung rate ich von Flügen mit Intersky ab. Aber die Bundespolizei in Tempelhof kann ich jedermann nur empfehlen. Die tun was.

HMB, Bln, 13.3.08

03. März 2008

Schokoladig

Es ist immer wieder ein erhebendes Gefühl zu erleben, dass es in der großen weiten Welt Menschen gibt, die einem nahe stehen, obwohl man sie noch nie getroffen, ihnen nicht einmal „Guten Tag“ oder „Fuck you“ gesagt hat. Irgendwo bei Dortmund lebt ein Bruchpilot, der einen Dativ nicht von einem Genitiv unterscheiden kann, der viel Zeit hat und deswegen täglich das Internet nach allem durchsucht, was es von mir oder über mich zu lesen gibt, um es dann, mit debilen Bemerkungen garniert, auf seine HP zu verlinken, die so attraktiv daherkommt wie eine Müllhalde im Zustand der Kompostierung. Er meint es gut, der arme Sack, aber er packt es nicht.

Erheblich professioneller geht ein anderer Groupie vor, der sich mit jeder mail ein anderes Pseudonym ausdenkt. Zuletzt hat er sich in ein Leckerli von Anthon Berg verwandelt, um mir ein unwiderstehliches Angebot zu machen:

Sehr geehrter Herr Broder,

Henryk Schokoladeals Hersteller der Anthon-Berg-Produkte sind wir auf Sie gestossen, als es galt, einen Prominenten zu finden, der ggf. bereit waere, fuer unsere Marke zu werben. Wir wollen unseren Marktanteil in Deutschland im naechsten Jahr von derzeit 1 auf 3 Prozent steigern. Im Rahmen einer landesweiten Kampagne zur Imagepositionierung wuerden wir gerne eine Produktlinie launchen, die Ihren Namen traegt. Anbei ein Vorschlag. Wir hoffen von Ihnen zu hoeren.

Hochachtungsvoll

Mikkel Jensen
Senior Brand Manager

Soviel liebevolle Zuwendung verdient Anerkennung. Ich schwöre es bei meiner letzten Tafel Lindt Orange Intense, dass ich das Angebot sofort angenommen hätte, hätte ich nicht schon einen Vertrag mit Ritter Sport. Der geht bis 2012. Danach wird neu verhandelt.