Sie haben das Recht zu schweigen. Henryk M. Broders Sparring-Arena

Henryk M. Broder

13.03.2007   09:31   +Feedback

Wahied Wahdat-Hagh: Die Jagd geht weiter

Vergessen wir nicht, dass die Fatwa gegen Salman Rushdie immer noch gilt.

Am 14.2.2007 erklärte die renommierte iranische „Märtyrerstiftung”,  das Todesurteil von Imam Khomeini gegen Salman Rushdie könne niemals revidiert werden. Es stehe im Kontext “göttlicher Verse” und sei genauso wenig veränderbar.

Die Khordadstiftung hatte 1997 für die Vollstreckung des Todesurteils ein Kopfgeld von 2,5 Millionen US-Dollar gesetzt. 

Im Iran gelten nicht nur an der Front verstorbene Soldaten als Märtyrer, sondern auch einfache Killerkommandos können den Märtyrertod für Gott, Führer und das islamische Volk sterben. Es sollte bei dem Ausmaß von staatlich gelenkter und   geduldeter Propaganda nicht verwundern, dass im Weblogg der iranischen Zeitung Rejanews ein junger Iraner kurzerhand schrieb: „Sicherlich werden wir eines Tages den Befehl unseres Führers ausführen und den abtrünnigen Salman Rushdie in die Hölle jagen.” Und die Dariche-News-Agentur monierte gar, dass Rushdie sich inzwischen so sicher fühlte und sich frei bewegen würde.

Tatsächlich wurde im August letzten Jahres Salman Rushdie in einem Spiegel-Interview gefragt, was denn wäre, wenn der iranische Präsident Ahmadinejad die Fatwa gegen ihn „reaktivieren” würde. Rushdie wollte solchen Spekulationen keine Bedeutung schenken. Den 14. Februar könne er nicht aus seinem Gedächtnis streichen, denn es handele sich um den Valentinstag. Wenigstens vergesse er nicht, an diesem Tag Blumen für seine Frau zu kaufen.

Zur Erinnerung: Am 14.2.1989 verurteile Ayatollah Khomeini Rushdie zum Tode, weil er in den Satanischen Versen die „Heiligtümer der Muslime” beleidigt haben sollte. Obwohl er sich dafür entschuldigte, muss er bis heute Angst vor islamistischen Todeskommandos haben. Die iranische Regierung hatte freilich nie erklärt, eigene Kommandos loszuschicken, um den „Abtrünnigen” hinzurichten. Der iranische Revolutionsführer Ayatollah Khomeini hatte vielmehr jeden Muslim dazu verpflichtet, Rushdie zu töten. Farsnews betonte, dass jeder Muslim alles einsetzen müsse, um Rushdie zur Hölle zu schicken. Farsnews, die sich der Verfassung der Islamischen Republik Iran verpflichtet fühlt, hob hervor, dass die westlichen Medien mehrfach erklärt hätten, dass das Todesurteil von Salman Rushdie seitens der iranischen Regierung zurückgenommen worden sei. Dies sei aber im Jahre 2004 ausdrücklich von Ayatollah Khamenei, der noch im Amt ist, zurückgewiesen worden. Dieser habe im Gegenteil die „Notwendigkeit der Hinrichtung Salman Rushdies” betont.

Ist dies nichts anderes als die staatlich propagierte und geförderte Kultur des Terrors? Über Rushdies Werk kann diskutiert werden, aber ihn töten zu wollen, ist staatlich geförderte Aufforderung zum Terrorismus.  Islamistische Stimmen, wie aus dem Iran, die im Namen Gottes ewig gültige Todesurteile verkünden,  haben nur mir aggressiver Gewalt zur Durchsetzung eines totalitären Herrschaftswillens zu tun.  Wenn wir uns vor Augen führen, [siehe http://honestlyconcerned.info von 16.2.2007] wie Islamisten die Juden und den Westen karikieren, um sich zu überhöhen und die eigene terroristische Gewalt herunterspielen, dann kommt man zu dem Schluss, dass totalitäre Gewaltideologien, die zu Gewalttaten führen, mit wirtschaftlichen Anreizen nicht aufzuweichen sind.  Europa sollte die Gefahren des neuen Totalitarismus verstehen und die islamische Welt sollte endlich die Vorteile von zivilisierenden modernen Werten akzeptieren.

Wahied Wahdat-Hagh arbeitet als Sozialwissenschaftler und freier Publizist

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