Sie haben das Recht zu schweigen. Henryk M. Broders Sparring-Arena

Henryk M. Broder

19.02.2007   09:23   +Feedback

Erinnerungsarbeit, Trauerarbeit

Eine Oberösterreicherin ließ in der Gedenkstätte alle Hüllen
fallen. Die Designerin wollte mit den Aufnahmen “anecken und provozieren”.
Sie hätte Gefängnismauern und Stacheldraht gebraucht und sei “zufällig”
auf das KZ Mauthausen gestoßen, erzählt die ehemalige Kunststudentin.

Eine oberösterreichische Designerin hat die Gedenkstätte des ehemaligen
Konzentrationslagers Mauthausen als Kulisse für Nacktfotos von ihr
benützt. Das berichtet das Nachrichtenmagazin “Profil” in seiner am
Montag erscheinenden Ausgabe. Es habe sich dabei um ein “künstlerisches
Gedankenspiel” gehandelt, wird die Frau zitiert.

Die Fotos aus den späten 90er Jahren zeigen die Designerin unbekleidet
und in lasziver Pose etwa vor einem Wachturm oder eng an eine Eisenskulptur
eines sterbenden Soldaten geschmiegt. Im Hintergrund die Mauer des
ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen. Die damalige Kunststudentin
rechtfertigt die Aufnahmen gegenüber “Profil” damit, dass sie damals
für die Linzer Kunstschule an einer Plakatserie für eine nicht-staatliche
humanitäre Organisation gearbeitete habe. Diese Fotos hätten ihr als
“reines Brainstorming” gedient. Sie hätte Gefängnismauern und
Stacheldraht gebraucht und sei “zufällig” auf das KZ Mauthausen gestoßen. Sie
wollte mit den Fotos “anecken und provozieren”. Abgegeben habe sie dieses
Projekt aber nie.

Es sei einfach gewesen, die Fotos zu schießen, berichtet die
Oberösterreicherin. Sie sei mit einem Mantel, unter dem sie nichts
trug, herumspaziert. Vor den ausgewählten Motiven habe sie sich dann ihres
Mantels entledigt und der Fotograf hätte abgedrückt. Laut Auskunft
der Polizei liegt keine Straftat vor.

Im Jahr 2005 sind dagegen Fotos aus Mauthausen aufgetaucht, die ein
gerichtliches Nachspiel hatten. Fünf Fußballfans aus dem Raum Braunau
hatten sich vor der Gedenkstätte mit der rechten, zum Hitlergruß
erhobenen Hand abbilden lassen. Deswegen und wegen anderer Vorfälle wurde ein
Teil von ihnen im November 2006 damals noch nicht rechtskräftig wegen
Wiederbetätigung zu bedingten Freiheitsstrafen verurteilt.

http://kurier.at/nachrichten/chronik/57965.php

 

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