Sie haben das Recht zu schweigen. Henryk M. Broders Sparring-Arena

Henryk M. Broder

21.08.2007   13:33   +Feedback

Deutsch beginnt hier!

Haben Sie gut geschlafen? Ordentlich gefrühstückt? Siegmar Gabriel im Frühstücksfernsehen verpaßt? Die Reise nach Yukatan abgesagt? Und Roger Willemsens letztes Video verdaut? Es geht Ihnen also gut, sie sind entspannt und guter Laune. Dagegen können wir gleich was unternehmen. Klicken Sie das hier an: http://www.goethe.de/mmo/priv/2527859-STANDARD.pdf  Es ist das Programm des Goethe Instituts in Washington für den kommenden Herbst. Fall 2oo7 - German Cultural Events. Was Sie auf dem Cover des Programms sehen, sind endlich einmal nicht die Wildecker Herzbuben, keine Aufnahme vom Oktoberfest oder der Mainzer Fastnacht, vom Deutschen Eck bei Koblenz, der Loreley bei St. Goar oder einer Weinstube in Rüdesheim, es ist das neue, das alternative Deutschland, das uns vom Goetheprogramm entgegenlacht: Fatima und Jasmina,  zwei glückliche Deutsche mit Migrationshintergrund.
Dagegen ist im Prinzip nichts einzuwenden. Wer vom Goethe-Institut ein realistisches Deutschlandbild erwartet, der könnte gleich die Aktienkurse von morgen aus dem Kaffee-Filter lesen. Wenn es aber darum geht zu zeigen, wie migrantenfreundlich Deutschland ist, wüßten wir einige bessere Motive: Von der Hetzjagd auf ein paar Inder im sächsischen Mügeln letzte Woche http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,500884,00.html bis zu einer Aufnahme des schwarzen Briten Noel Martin, der seit 11 Jahren gelähmt ist und sich nur mit einem Rollstuhl bewegen kann, nachdem er in Mahlo bei Berlin von ein paar Eingeborenen angegriffen wurde. http://www.tagesspiegel.de/zeitung/Die-Dritte-Seite;art705,2144921 Geht es aber darum zu zeigen, wie integriert, behütet und wohlauf moslemische Frauen in Deutschland leben, bieten sich andere Motive an: Der Grabstein von Hatun Sürücü z.B. , der 23 Jahre jungen Frau, die nicht nach den Regeln ihrer Familie leben mochte und deswegen von ihrem jüngsten Bruder abgeknallt wurde, der mit einer Jugendstrafe davonkam, während die älteren Brüder freigesprochen wurden, denen das Gericht nichts nachweisen konnte.  http://www.tagesspiegel.de/berlin/Polizei-Justiz-Fall-Sueruecue-Integration;art126,2361361 Oder das unkenntlich gemachte Foto einer jungen Frau, die vor ihrer Familie fliehen mußte, weil sie nicht ihren Onkel heiraten wollte. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,499608,00.html Das wären lauter hübsche Motive, die etwas mit der Wirklichkeit in Deutschland zu tun hätten. Aber das Goethe Institut in Washington will mit der deutschen Wirklichkeit nichts zu tun haben. Es zeigt lieber schöne Bilder von glücklichen Menschen mit Migrationshintergrund.

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