Sie haben das Recht zu schweigen. Henryk M. Broders Sparring-Arena

Henryk M. Broder

25.03.2009   15:03   +Feedback

Antisemiten mit reinen Herzen

Es gibt manchmal diese wunderbaren Momente, da man nichts tun muss außer lesen, zuhören und zitieren. Wenn ein Vergewaltiger versichert, er liebe doch die Frauen oder wenn ein Antisemit beteuert, er habe nix gegen Juden und sich dabei auf andere Antisemiten beruft, die ihrerseits auch nichts… Ich bin klein, mein Herz ist rein, soll niemand drin wohnen als der Jud’ allein.

Hermann Dierkes, der beinah OB der Weltstadt Duisburg geworden wäre, wenn ihm die Israel-Lobby in Gestalt der Partei DIE LINKE nicht in die Suppe gespuck hätte, hat die Bestimmung seines Lebens gefunden: Er agitiert für einen Boykott Israels. Sonst hat der Mann keine Probleme, die ihm die Laune vernageln. Frau und Kinder sind gesund, mit dem Sozialismus gehts gut voran, der Himmel über Duisburg ist blau, nur Dierkes Gemüt verdunkelt sich ab und zu. Aber jetzt hat er sich “einigermaßen wieder stabilisiert” und schreibt einen Offenen Brief an seine Kritiker in der LINKS-Partei, die ihm völlig grundlos antisemitische Tendenzen und Sentenzen unterstellen. Darin finden sich u.a. auch diese Passagen:

=Politisch sehr problematisch wird Euer Postulat allerdings, wenn es heißt ” ... Äußerungen, die antisemitisch wirken”. Als führende Mitglieder und MandatsträgerInnen unserer Partei solltet Ihr Euch nicht auf so dünnes Eis begeben. DIE LINKE würde sich damit in die Hände derjenigen Akteure begeben, die jede Kritik an der israelischen Regierungspolitik, an der Unterdrückung der Palästinenser, den Kriegsverbrechen in Gaza und anderswo unter dem Stichwort “Antisemitismus” tabuisieren wollen und ihre entsprechende mediale Macht dafür ausspielen. Das hat doch diese ganze Angelegenheit auch wieder einmal deutlich gemacht! Über den Antisemitismus-Vorwurf als politische Waffe gibt es inzwischen Fallstudien und politikwissenschaftliche Literatur. Ich empfehle Euch nur Mearsheimer/Walt: Die Israel-Lobby, eine Fallstudie aus den USA. Ihr werdet erschreckende Parallelen darin finden zu der Art und Weise, wie ich öffentlich nieder gemacht worden bin.=

Ja, wenn Mearsheimer/Walt den Fall Dierkes schon gekannt hätten, hätten sie ihr Buch ihm gewidmet, einem deutschen Opfer der Israel-Lobby. Sehr hübsch ist auch diese   Ausführung in eigener Sache:

=Ich brauche Euch gegenüber hoffentlich keine Tätigkeitsnachweise zu führen. Nur soviel: Im Herbst letzten Jahres gewann ein Mitglied unseres Kreisverbands mit unserer Unterstützung einen Prozess gegen einen städtischen Mitarbeiter, der sich des öfteren in übelster Weise durch antisemitische und migrantenfeindliche Witze öffentlich hervorgetan hatte.=

Wow! Das ist echt ein starkes Stück! Dierkes hat einem Parteigenossen die Daumen gedrückt!
Hier der ganze Brief: 
http://www.scharf-links.de/57.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=4451&tx_ttnews[backPid]=56&cHash=0ccb984d4e

 

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