Sie haben das Recht zu schweigen. Henryk M. Broders Sparring-Arena

Henryk M. Broder

02.05.2009   12:49   +Feedback

Nervenbündel mit Anwalt

Sicher, es gibt Schlimmeres als einen Besuch in Köln. Eine Reise nach Dortmund oder eine Portion Schweinskopfsülze. Vor allem wenn man aus Wien kommt - nach Tagen auf dem Naschmarkt, zwischen „Tewa“ und „Neni“, „Drechsler“ und der „Gräfin vom Naschmarkt“ - ist Köln ein Kulturschock. Aber wenn man mich höflich bittet, komme ich.

Es war der dritte Termin in Sachen EHG gegen HMB. Nach dem Verfügungsverfahren vor dem LG und dem OLG in Köln, aus dem EHG als zweiter Sieger hervor ging, wollte sie es nun wieder wissen, im Hauptsacheverfahren vor dem LG. Egal wie das Urteil ausfallen wird, wird es eine weitere Runde vor dem OLG geben, denn erstens lebt EHG in Malsburg-Marzell im hinteren Kandertal und zweitens hat sie eine Rechtsschutzversicherung. Außerdem einen Anwalt, der schon Abi und Hajo ins Unglück begleitet hat. Ganz zum Schluss, als die Verhandlung bereits beendet war, rief er noch den Richtern zu, sie sollten nicht vergessen, dass „Herr Broder“ sie für die „Erben der Firma Freisler“ hält. Richtiges Anschleimen will auch gelernt sein.

Dafür gab er sich redlich Mühe, die „Äußerungen der Klägerin“ als „israelkritisch“ darzustellen. Mit Antisemitismus hätten sie nichts zu tun, denn: „Antisemitismus ist die Ermordung von Menschen.“ Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Ohne das Urteil vorwegzunehmen, das am 3.6. verkündet wird, will ich nur so viel verraten: Nachdem EHG in der Verfügungsrunde mit ihrem Antrag erfolglos geblieben war, mir die Behauptung untersagen zu lassen, sie würde „antisemitisch-antizionistische Statements“ verbreiten, legte sie sieben weitere Punkte nach, die sie mir untersagen lassen wollte, u.a. die Feststellung, sie wäre eine „hysterische, geltungsbedürftige Hausfrau“ und: So nahe wie sie hätte sich lange niemand mehr an „die Protokolle der Weisen von Zion herangerobbt“.

Schließlich kam sie bzw. ihr Anwalt mit einem achten Punkt um die Ecke: Ich hätte behauptet, behauptete sie, sie wäre eine „Schlampe“. Das hatte ich natürlich nicht getan. Dieser Punkt wurde in der Verhandlung erledigt. EHG zog ihren Antrag zurück, nachdem ich erklärt hatte, ich hätte nicht behauptet, sie wäre eine „Schlampe“ und würde auch künftig nicht behaupten, sie wäre eine. Das ist wirklich nicht meine Art.

Ansonsten war EHG ein Nervenbündel am Rande des Zusammenbruchs, sie redete wirres Zeug und sagte dabei u.a.: „Ich als Vater von Heinz Galinski…“ Auf die Frage meines Anwalts, warum sie sich nur um das Unrecht kümmern würde, das den Palästinensern angetan werde, antwortete sie: „Ich bin nicht für das Unglück der ganzen Welt zuständig.“ Da half es auch nicht viel, dass sie eine Support-Group mitgebracht hatte, die im Wesentlichen aus zitterigen Rentnern bestand, die den Geruch von Kernseife und Mottenkugeln im Saal verbreiteten.

Nach einer guten Stunde war die Verhandlung vorbei. Wir verzogen uns zu einem Türken am Rudolfplatz. Die Wolkendecke brach auf, in der Mittagssonne sah Köln nicht mehr ganz so hässlich aus. Und über Malsburg-Marzell im hinteren Kandertal ging ein Gewitter runter.

Siehe auch: Eine Tochter mit Motto
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/nathan_gelbart_ein_motto/

 

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