Sie haben das Recht zu schweigen. Henryk M. Broders Sparring-Arena

Henryk M. Broder

02.07.2009   21:14   +Feedback

Unter Menschen 6

Zum Intercity von Spandau nach Hilversum. Auf Bahnsteig 3 steht eine junge Frau und macht Notizen. In eine DIN-A-3 Kladde trägt sie ein, wann der Zug einfährt, wann er abfährt, wann eine Verspätung bekannt gegeben wird und welcher Zug ganz ausfällt. „Machen Sie das zum Vergnügen?“, frage ich. „Nein, für die Bundesbahn“, sagt die junge Frau. „Aber die hat doch einen Computer.“ – „Ich weiß auch nicht, das Ganze nennt sich RIS-Studie.“

Ich wüsste gerne, was eine RIS-Studie ist, hab aber keine Zeit, mich zu erkundigen, weil eine Durchsage kommt. Alle Züge vom Hauptbahnhof über Spandau in Richtung Hannover, Köln und Frankfurt werden umgeleitet, den Reisenden wird empfohlen, mit der S-Bahn zum Hauptbahnhof zu fahren und dort einzusteigen. Für mich bedeutet das, dass ich den 10.51 Zug verpassen werde und erst zwei Stunden später fahren kann. Super, denke ich, ich setzt mich in die erste Klasse und sag dem Schaffner, das ist der Ausgleich. Und wenn er pampig wird, mach ich ein Foto von ihm und stelle es online.

Um sicher zu gehen, frag ich noch mal am Service-Point nach. Nur der ICE nach Köln hält nicht in Spandau, alle anderen verkehren planmäßig. Pech für mich, der Schaffner hat noch mal Glück gehabt.

Ich rase zurück zum Bahnsteig 3. Die Chance, endlich zu erfahren, was eine RIS-Studie ist und warum die Bahn Mitarbeiter losschickt, um Einfahrt- und Abfahrtzeiten zu protokollieren, will ich mir nicht entgehen lassen. Aber die junge Frau ist nicht mehr da. Dafür kommt der IC 146 ganz pünktlich.

 

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