Sie haben das Recht zu schweigen. Henryk M. Broders Sparring-Arena

Henryk M. Broder

06.06.2009   00:11   +Feedback

Der Spatz vom Wallraffplatz

Am 7. Mai 1945 kapitulierten die deutschen Truppen in Holland, einen Tag vor der Großen Kapitulation in Karlshorst. http://www.dhm.de/lemo/objekte/pict/d2a07980/index.html Nur einer hat es bis heute nicht mitbekommen und kämpft immer noch an der Nordwestfront: Ludger Kazmierczak, der Hörfunkkorrespondent des WDR für die Niederlande. Nachdem die Holländer bei den Europawahlen nicht so abgestimmt hatten, wie er es gerne gehabt hätte, schrieb er den Buuren ins Stammbuch, sie “sollten sich schämen”. http://www.tagesschau.de/kommentar/niederlande134.html
Nicht schlecht, nicht wahr? Der Mann muss drei Bällchen im Säckchen haben, anders lässt sich sein Übermut nicht erklären. Fortuyn war ein guter “Rechtspopulist”, denn er ist tot. Wilders dagegen lebt noch und ist ein böser “Rechtspopulist”, ein “selbst ernannter Fortuyn-Epigone”, ein “schmieriger Provokateur” und “Islamhasser”, dessen “so genannte Partei” bei der Abstimmung so gut abschnitt, dass Kazmierczak nur die Wahl hatte, sich auf der Stelle zu übergeben oder seinen inneren Schweinehund von der Leine zu lassen.   Selber keine Schönheit, watschelt er den “wasserstoffblondierten Sprücheklopfer” ab, als wollte er sich an Wilders für das verfrühte Ableben von Anton Adriaan Mussert rächen. Aber das ist noch nicht alles. “Die Niederländer, die noch in den 90er Jahren gerne mit moralisch erhobenem Zeigefinger auf die ausländerfeindlichen Deutschen gezeigt hatten, sollten sich schämen.”
Der gemeine Brite freut sich, wenn er eine Frau gefunden hat, der gemeine Italiener, wenn sie verreist ist, der gemeine Pole, wenn sie wiederkommt. Der gemeine Deutsche aber freut sich, wenn er anderen auf die Schliche kommt: Die sind ja auch nicht besser! Normalerweise ist es die Aufgabe der Israelis, ihm diese Satisfaktion zu verschaffen, aber notfalls kann es auch ein anderes Kollektiv sein, die Holländer zum Beispiel, die langsam damit aufhören sollten, mit “moralisch erhobenem Zeigefinger” auf die Deutschen zu zeigen. Und obwohl er keine Ahnung von Holland, von Wilders und von dessen Partei hat, kann sich der selbst ernannte und so genannte Hollandexperte des WDR vor Schadenfreude, der liebsten Freude des homo teutonicus, kaum noch einkriegen.
Nun habe ich lang genug in Köln gelebt und mich im WDR rumgetrieben, um zu wissen, wie und wo solche Kommentare entstehen: in einem Brauhaus gegenüber dem WDR. Da sitzen die Welterklärer an runden Holztischen, bekommen Bier, das wie Katzenpisse schmeckt, in dünnen Gläsern von groben Kellnern (“Köbes”) serviert, und wer als erster unter den Tisch fällt, darf den Kommentar zum Tage schreiben. Gestern war Ludger Kazmierczak an der Reihe, der Schwatlappen vom Wallraffplatz, morgen könnte es jemand aus dem hinteren Kandertal sein, denn der WDR beschäftigt nur Spitzenkräfte.

PS. Wie WDR PRINT, die Zeitung des WDR, in ihrer letzten Ausgabe meldet, geht Kazmierczak, “der in den vergangenen fünf Jahren als Reisekorrespondent für den WDR in den Niederlanden tätig war”, am 1. August “als Korrespondent Hörfunk für die gesamte ARD” nach Warschau, um von dort die Frage zu beantworten, wie “die Polen ticken”. Dabei sei ihm vor allem “der Blick hinter die Kulissen wichtig”. Mal schauen, was er dort alles entdecken wird, wofür sich die Polen schämen und entschuldigen müssten. (Dank an achgut-Leser B.F. für den Hinweis.) http://www.wdr.de/unternehmen/_media/wdr_print/pdf/2009/WDR_2009-06_Print.pdf;jsessionid=3E20L31KW5KTACQKYXFETIQ

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