Sie haben das Recht zu schweigen. Henryk M. Broders Sparring-Arena

Henryk M. Broder

01.09.2009   23:05   +Feedback

Die Erben der Firma Mohammed

Am 30. September 2005, also vor fast vier Jahren, druckte die dänische Tageszeitung “Jyllands Posten” 12 exzessiv harmlose Mohammed-Karikaturen ab, die seitdem immer wieder für Aufregung in der islamischen Welt sorgen. Millionen von Moslems zwischen Jakarta und Tripolis eilen seitdem jeden Morgen zu ihren Zeitungskiosken, nur um zu sehen, wo und womit Prophet Mohammed beleidigt wurde oder beleidigt worden sein könnte. Sie bilden eine permanente Drohkulisse, vor der sogar alte und angesehene Institutionen in die Knie gehen. Yale University Press hat vor kurzem ein Buch über den “Karikaturenstreit” veröffentlicht und dabei auf einen Abdruck der Karikaturen und anderer Illustrationen verzichtet, um die Leser der Yale-University-Press-Bücher in Kabul, Riad, Sanaa und Khartum nicht unnötig zu provozieren.
Dennoch rumort es weiter in der islamischen Welt. Jetzt hat eine saudi-arabische Anwaltskanzlei, im Namen Tausender von Nachkommen des Propheten, einen Brief an die Chefredakteure der 16 dänischen Zeitungen geschrieben, die aus Solidarität mit “Jyllands-Posten” und dem Zeichner Kurt Westergaard die Karikaturen am 13. Februar 2008 nachgedruckt haben. In dem Brief fordern die saudi-arabischen Anwälte die Chefredakteure der dänischen Zeitungen auf,
a) die Karikaturen von den Internet-Seiten der Zeitungen zu entfernen
b) sich bis zum Ende des Ramadan in aller Form für den Nachdruck der Karikaturen zu entschuldigen, wobei die Entschuldigung in einem “Teaser” auf den Titelseiten angekündigt werden sollte und
c) eine Verpflichtung abzugeben, dass sie nie wieder Zeichnungen abdrucken werden, von denen sich die Nachkommen des Propheten Mohammed beleidigt fühlen könnten.
Allerdings: Sogar dann, wenn die Zeitungen die Karikaturen von den Internet-Seiten entfernen, sich für den Abdruck entschuldigen und sich verpflichten, den Propheten nie wieder zeichnerisch abzubilden, wird es keine Ruhe geben, weil die Nachkommen des Propheten auf ihrem Recht bestehen, die Zeitungen wegen Verleumdung zu verklagen. Hier der Brief im Wortlaut: http://mediawatch.dk/artikel/her-er-trusselsbrevet-til-chefredaktoererne

Hier eine Stellungnahme des Nord-Schleswiger, der Zeitung der deutschen Minderheit in Süddänemark:
http://www.nordschleswiger.dk/SEEEMS/19708.asp?artid=16356

Siehe auch:
http://europenews.dk/de/node/25853
http://europenews.dk/en/node/25874

Und jetzt denken Sie darüber nach, warum in keiner deutschsprachigen Qualitätszeitung, vom Nord-Schleswiger abgesehen, über diese Geschichte berichtet wurde.
Appeasement? Feigheit? Vorauseilende Unterwerfung? I wo! Ein Gefühl für historische Verantwortung. Schliesslich hatte der grüne Vordenker Fritz Kuhn schon 2006 erklärt, die Zeichnungen in Jyllands-Posten würden ihn an die antisemitischen Karikaturen im “Stürmer” erinnern. Gucken Sie mal: http://www.citybeat.de/news/die-12-mohammed-karikaturen

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