Sie haben das Recht zu schweigen. Henryk M. Broders Sparring-Arena

Henryk M. Broder

08.03.2010   21:17   +Feedback

Finkelstein, die Mogelpackung

“Finkelstein” wäre ein schöner Name für eine Kiez-Kneipe in Berlin-Mitte, wenn er nicht schon besetzt wäre - durch einen jüdischen Hamas- und Hisbollah-Freund, der seine Lebensaufgabe darin sieht, der zweiten Endlösung der Judenfrage im Nahen Osten den Weg zu ebnen. Ein weiterer Fall von pathologischem Judenhass im akademischen Kostüm, könnte man meinen, aber es ist doch ein wenig mehr. Der Fall Finkelstein wird von seinen Anhängern zum Testfall für die Demokratie in Deutschland hochgejubelt. “Germany’s Fear Of Finkelstein”  schreibt ein Finkelstein-Fan und nennt seinen Guru “an internationally renowned scholar of the Israeli–Palestinian conflict”, was etwa so richtig ist, als würde man David Irving einen international anerkannten Gelehrten auf dem Gebiet der koscheren Küche nennen.

Finkelstein ist nur eine Mogelpackung, auf der “Israelkritik” drauf steht und “Antisemitismus” drin steckt. Ohne seine Eltern (“Survivors of the Warsaw Ghetto and of Nazi concentration camps”), mit denen er sich legitimiert, wäre der “internationally renowned scholar” nur ein ganz normaller Wirrkopf in einem an Wirrköpfen reichen Betrieb, dessen Teilnehmer vor allem damit beschäftigt sind, sich gegenseitig Honig ums Maul zu schmieren.

Moshe Zuckermann tut es in der “jungen Welt”, Wolfgang Gehrke ist es “peinlich, daß die der Partei nahestehende Rosa-Luxemburg-Stiftung den Raum für den US-Historiker Norman Finkelstein gekündigt hat”, Stipendiaten der Rosa-Luxemburg-Stiftung halten es für unerträglich, dass Finkelstein - “dessen Eltern in den Konzentrationslagern der Faschisten gelitten haben” – der “Zutritt zu den Räumen der RLS verwehrt” wurde - als habe die Bahnhofsmission einem KZ-Überlebenden die Tür vor der Nase zugeschlagen.

Tatsächlich gleicht die Finkelstein-Gemeinde einem Nachtasyl, in dem Impotente wilde Sexpartys feiern. Menschen, die von der Vorsehung dazu bestimmt wurden, Großes zu leisten, die aber von der Geschichte daran gehindert wurden, wie der Duisburger Kommunalpolitiker Hermann Dierkes, der beinah der OB von Duisburg geworden wäre, wenn ihm die Israel-Lobby nicht dazwischengefunkt hätte.

“Der Duisburger Kommunalpolitiker Hermann Dierkes hätte einiges darüber zu erzählen, wie es Menschen in einem politischen Amt ergehen kann, die sich unerschrocken für die Palästinenser einsetzen. Nachdem er im Februar 2009 auf einer Veranstaltung der Partei Die Linke auf die Frage, was man gegen die Unterdrückung der Palästinenser durch die israelische Regierung tun könne, auf den Aufruf “Boykott, Desinvestition, Sanktionen” der Versammlung der sozialen Bewegungen des neunten Weltsozialforums im brasilianischen Belém verwiesen hatte, brach eine derartige mediale Schmutzkampagne über ihn herein, daß er entnervt von seinem Amt als Fraktionschef seiner Partei im Stadtrat und als Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters der Stadt Duisburg zurücktrat.”

Und weil er nicht OB von Duisburg wertden konnte, hat Hermann Dierkes viel Zeit, darüber nachzudenken, wie der Nahe Osten befriedet werden soll:

“Zum Abschluß seiner Rede verwandte sich Dierkes noch einmal dafür, die Palästinenser dabei zu unterstützen, diejenigen zur Rechenschaft zu ziehen, “die an der Besatzung, an der Annexion verdienen”. Zudem gehe es darum, wie bereits in England und Frankreich geschehen, “die Institute im kulturellen, im universitären Bereich, die kein kritisches Wort gegen die Besatzung, die Annexion verlieren, zu zwingen, sich aus dieser Aktivität zurückzuziehen und ihnen das nicht durchgehen zu lassen.” Der Preis für die israelische Besatzungs- und Annexionspolitik müsse so hoch geschraubt werden, daß die Mehrheit der israelischen Bevölkerung für einen gerechten und demokratischen Frieden eintritt. Man müsse sich von dem Dogma eines jüdischen Staats verabschieden, denn das sei “eine rassistische Vision, die alle Beteiligten ins Unglück führt.”

So möchte Hermann Dierkes aus Duisburg den Nahen Osten vom Dogma eines jüdischen Staates befreien, die zweitbeste Idee, seit ein paar seiner Vorfahren mit dem   Plan, Europa zu entjuden, gescheitert sind.

Finkelstein dagegen ist ein Versöhner. Er bringt Menschen zusammen, die sonst nicht einmal dasselbe Klo benutzen würden. Hermann Dierkes, Wolfgang Gehrke und die junge Welt auf der einen, die National Zeitung auf der anderen Seite. Der “Sohn von jüdischen Eltern und Holocaust-Überlebenden”, der “renommierte amerikanische Politikwissenschaftler” hats auch der braunen Pest angetan. Wobei die ihrerseits Professor Dr. Rolf Verleger, dem Vorsitzenden der „Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost e.V.“ zustimmt, der sich wiederum auf Rabbiner Leo Baeck beruft:

“Es war der geistige Führer des deutschen Judentums im letzten Jahrhundert, Rabbiner Dr. Leo Baeck, der das Judentum als die Religion der tätigen Moral definierte. In diesem Sinne können und sollen Juden zu Verständigung, Dialog, Versöhnung und Frieden in Nahost beitragen. Die Akteure, die im Namen ihres Judentums Finkelsteins Auftritt verhindert haben, stellen sich außerhalb dieser alten Tradition, und sie haben keine neue: Da ist nur eine große nationalistische Leere.“

Soll heissen: Finkelstein verkörpert die jüdische Tradition der tätigen Moral, die auch der National Zeitung und der jungen Welt am Herzen liegt. Pack schlägt sich, wenn es aber um Juden geht, verträgt es sich.

Siehe auch:
http://www.tw24.info/?p=1971
http://bak-shalom.de/index.php/2010/03/07/debatte-ja-%E2%80%93-antisemitismus-nein/

 

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