Sie haben das Recht zu schweigen. Henryk M. Broders Sparring-Arena

Henryk M. Broder

31.01.2010   17:23   +Feedback

Sahra und ihr Wagenknecht

Sahra Wagenknecht, Sprecherin der Kommunistischen Plattform in der LINKEN-Partei, gilt als attraktiv, intelligent und extrem selbstbewusst. Schönheit und Intelligenz mögen im Auge des Betrachters liegen, am Selbstbewusstsein kann es freilich keine Zweifel geben. Während sich die Abgeordneten des Bundestages zu Ehren des israelischen Präsidenten Schimon Peres erhoben, blieb sie zusammen mit drei Parteifreundinnen sitzen - eine Demonstration der schlechten Manieren, die auch in ihrer Partei nicht gut ankam.

Im Umgang mit den Repräsentanten von Staaten, die es mit Bürger- und Menschenrechten nicht so genau nehmen, legt der Rosa-Luxemburg-Klon aus Jena ein anderes Verhalten an den Tag. Sahra verteidigt den venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez, und wenn es um Menschenrechte auf Kuba geht, dann macht sie sich “die kubanische Position” voll zueigen.

Wofür oder wogegen Frau Wagenknecht steht, ist schwer zu sagen, außer dass sie den Kapitalismus abschaffen möchte. Nachdem sie eine Legislaturperiode im Europaparlament allenfalls als Sprücheklopferin auffiel, sitzt sie nun im Bundestag und soll demnächst zur Partei-Vize gewählt werden. Und das obwohl sie nicht bei der Stasi war!

Dafür ist Frau Wagenknecht eine überzeugte Europäerin, die sich ihre Zeit zwischen Berlin, Strassburg und Irland teilt, wo ihr Mann Ralph T. Niemeyer lebt, der sich selbst als “human being” bezeichnet und davon lebt, dass er als “economic’s editor, journalist, writer, documentary film maker, screen play writer and film producer” arbeitet.

Aber Sahras Wagenknecht kann wohl noch mehr. Es ist noch nicht lange her, da ist der frühere Kapitalanlageberater durch, sagen wir es freundlich: dubiose Geschäfte aufgefallen, die ihn in ernste Schwierigkeiten brachten.

Niemeyer selbst sieht sich als Opfer der “westdeutschen Stasi”, die sich gegen ihn verschworen hat, um der politischen Karriere seiner Frau zu schaden.

“Die Medien nutzen zur Diskreditierung von Sahra meine angeblichen Affären. Zugleich werden Leute, wie der ehemalige Thüringische Ministerpräsident Althausen, der immerhin ein Menschenleben auf dem Gewissen hat, oder Wirtschafts-Verteidigungsminister Guttenberg, der seiner Verwandtschaft Rechtsgutachter-Aufträge zuschanzte, fast schon zu Helden stilisiert. Das wäre in der DDR mit ähnlich gleichgeschaltetem Medien- und Staatsaparat ebenfalls möglich gewesen. Auf mich hingegen stürzen sich immer wieder und eigentlich ohne äußeren Anlaß, die Medien, als betriebe ich ständig irgendwelche dubiosen Geschäfte.”

Mit der Syntax und der Zeichensetzung hapert es bei dem Tausendsassa noch ein wenig, dafür ist die Haltung tadellos. Und weil sich die bösen Medien lange nicht mehr auf ihn gestürzt haben, kommt er ihnen jetzt entegegen, indem er im Netz über das Leben mit seiner “über alles geliebten Frau” plaudert, die demnächst Parteivize der LINKEN werden möchte, um die deutsch-irische Freundschaft noch intensiver pflegen zu können, als sie es bis jetzt schon gemacht hat - der Kunst zuliebe und mit freundlicher Hilfe des Steuerzahlers.

Siehe auch: Wagenknecht-Gatte zieht Einträge zurück
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,675262,00.html

 

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