Sie haben das Recht zu schweigen. Henryk M. Broders Sparring-Arena

Henryk M. Broder

16.08.2010   08:50   +Feedback

And The Winner is… Germany!

Nachdem die Bundesregierung zuerst die Bush- und dann die Obama-Administration jahrelang gedrängt hatte, das Gefangenenlager Guantanamo zu schliessen, erklärte sie sich Anfang Juli bereit, zwei der Gefangenen in der Bundesrepublik aufzunehmen, um so einen Beitrag zur Lösung des Problems und Auflösung des Lagers zu leisten. Bei der großen Tombola, die von Innenminister de Maiziere veranstaltet wurde, zogen die Länder Hamhurg und Rheinland-Pfalz die Glückslose, sie sollen je einen Guantamo-Häftling aufnehmen, Er habe, erklärte de Maiziere, die Entscheidung nicht nur als Innenminister, sondern auch “als Mensch und Christ” getroffen. Die beiden Gefangenen sollten “schon in zwei Wochen”, also in der zweiten Juli-Hälfte, in die Bundesrepublik kommen.
Die Sache scheint sich ein wenig zu verzögern, denn inzwischen schreiben wir die zweite Augusthälfte und die beiden Gäste sind noch immer nicht eingetroffen. Vermutlich sucht man noch immer nach Familien, die als “Menschen und Christen” bereit sind, sie bei sich aufzunehmen.

Es könnte aber auch daran liegen, dass de Maiziere und seine Kollegen aus den Ländern inzwischen mit einem anderen Problem beschäftigt sind, bei dessen Lösung sie nicht vorankommen. Infolge einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte könnten noch in diesem Jahr bis 100 gefährliche Schwerverbrecher aus der Sicherungsverweahrung freikommen, zehn sollen bereits auf freiem Fuß sein. Was tun also?

Bevor das Volk, das bereits jetzt mehrheitlich dafür ist, die Namen, Adressen und Fotos der entlassenen Kriminellen publik zu machen, auf die Idee kommt, die Causa in die eigenen Hand zu nehmen oder die Wiedereinführung der Todesstrafe zu fordern, werden die Maiziere und seine Kollegen die Amis darum bitten, Guantanamo auf keinen Fall zu schliessen, sondern die als gefährlich eingestuften deutschen Schwerverbrecher dort aufzunehmen, eventuell im Austausch gegen mutmaßliche Terroristen, die nicht mehr als gefährlich gelten. So könnte das Lager weiterhin in Betrieb und Hunderte von Arbeitsplätzen erhalten bleiben, während die Deutschen ein Problem los wären, das aus eigener Kraft zu lösen sie nicht in der Lage sind.

 

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