Sie haben das Recht zu schweigen. Henryk M. Broders Sparring-Arena

Henryk M. Broder

24.07.2010   10:07   +Feedback

Falsch verstanden

Frau Özkan rudert zurück: “Der bisherige Text sei nur ein Entwurf gewesen, sagte Özkan. ‘Die Charta war und ist als eine erste mögliche Diskussionsgrundlage gedacht.’ Eine dazugehörige Mail an Journalisten habe aber nicht deutlich gemacht, dass es sich um einen Entwurf handeln sollte. ‘Insofern verstehe ich die Irritation und möchte klarstellen: Nichts liegt mir ferner, als die Unabhängigkeit der Medien in irgendeiner Form zu berühren’, sagte Özkan.”

Es wäre von einem Minister oder einer Ministerin wohl zu viel verlangt, dass er bzw. sie erst nachdenkt, bevor sie bzw. er etwas sagt. Im Falle von Aygül Özkan kommt noch etwas dazu. Sie muss alles allein erledigen. Morgens kommt sie ins Büro, holt beim Pförtner ihre Post ab, zieht einen Kaffee (schwarz, ohne) am Automaten und macht sich dann an die Arbeit. Sie hat ganz allein die “Mediencharta” entworfen, dann einen Brief an die Chefredakteure der niedersächsischen Zeitungen geschrieben, das Schreiben und die Charta 14 Mal kopiert, die Umschläge adressiert, die Briefe eingetütet und zur Post gebracht. Auf dem Rückweg hat sie noch schnell bei ALDI eingekauft und im Reformhaus nebenan eine Flasche Bio Diestelöl von Vitaquell geholt. Wieder im Büro hat sie dann zwei Senioren in Großenknöten und Klein Meckelsen angerufen, die ihren 100. Geburtstag feierten. Am Nachmittag war sie damit beschäftig, einen “Leitfaden für den Umgang mit dem Internet für Eltern und Kinder in prekären Umständen” zu erarbeiten.

Und weil sie eben alles allein machen muss, kann es schon mal passieren, dass ihr ein Fehler unterläuft. Wie die Sache mit der Mediencharta. Nächstes Mal wird sie einen “Entwurf” von ihrem Pförtner gegenlesen lassen.

 

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