Sie haben das Recht zu schweigen. Henryk M. Broders Sparring-Arena

Henryk M. Broder

21.07.2010   15:05   +Feedback

Singapore a la carte - 5

Es gibt etwa 30.000 Taxis in Singapur, mehr als in New York. Eines davon, ein Chrysler 300, gehört Yus Ghulam. Das heisst, es gehört ihm nicht wirklich, er hat es nur von einer staatlichen Firma gemietet, für 150.- Singapore Dollar täglich. Das macht 4.500.- Singapore Dollar monatlich. Die Miete wird täglich von Yus’ Konto auf das Konto der Firma abgebucht. Außerdem gbt er jeden Tag etwa 50.- Singapore Dollar fürs Benzin aus, das macht rund 6.000.- Singapore Dollar monatliche Kosten. Für Versicherung, Wartung und Reparaturen kommt die Firma auf.

Yus ist 48. Er fährt seit drei Jahren Taxi, vorher hat er eine Druckerei gehabt, die er nach Malaysia verkauft hat, als er mit den Preisen malaysischer Druckereien nicht mithalten konnte. Yus ist verheiratet, Vater von drei Kindern. Alle drei haben Schulen beendet und einen Beruf gelernt. “Education is most important”, sagt Yus. Er arbeitet sechs Tage in der Woche, nur den Sonntag verbringt er mit seiner Familie. Ferien hat er noch nie gemacht, das konnte er sich weder als Drucker leisten noch als Taxifahrer, weil er auch dann die 150.- Singapore Dollar pro Tag zahlen muss, wenn der Chrysler nur rumsteht.

Yus hat etliche Stammkunden. Denn er bietet einen Service, den kein anderes Taxi in Singapore anbietet. Man kann während der Fahrt im Netz surfen und emails schreiben. Natürlich wireless und kostenlos. Dazu gibt es kaltes Mineralwasser, Erfrischungstücher und Mint-Bonbons. Wie im Flugzeug. Bald werden andere Taxis nachziehen. Dann wird Yus sich etwas Neues einfallen lassen müssen. “To be the best is most important.”

Yus ist Moslem.

 

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