Sie haben das Recht zu schweigen. Henryk M. Broders Sparring-Arena

Henryk M. Broder

18.11.2010   00:48   +Feedback

Depp trifft Deppin

Petra Pau (SED/PDS/LINKE) hat mal wieder Israel und bei der Gelegenheit auch die Knesset in Jerusalem besucht. Sie saß auf der Besuchertribüne, dachte über den Holocaust und das Essen bei EL AL nach, da stand ein Abgeordneter auf und schrie: “Das ist eine Schande! Sechs Millionen Menschen stehen hinter mir. Es gibt keine Vergebung für Menschen mit Blut an den Händen!”
Ein Volltrottel, der vermutlich auch Wagner, Volkswagen und Haribo-Gummibärchen boykottiert und zu Fuß von Tel Aviv nach Jerusalem geht, weil die Egged-Busse in Deutschland hergestellt wurden. Es wäre nicht schlecht gewesen, wenn er Frau Pau, die alles Mögliche nur kein Blut an den Händen hat, zur Rede gestellt und sie gefragt hätte, wie die Arbeitsteilung in ihrer Partei funktioniert. Während die einen (Inge Höger, Norman Pech) mit türkischen Islamisten nach Gaza segeln und während in der Partei über das Existenzrecht Israels gestritten wird, fährt Frau Pau regelmäßig nach Israel und spielt dort das gute Gewissen der Postkommunisten. Er hätte Frau Pau auch fragen können, ob sie das Iran-Risetagebuch von Luc Jochimsen gelesen und wie es ihr gefallen hat. Aber dazu war er zu blöd.

Frau Pau ihrerseits war nicht beleidigt. Sie reagierte politisch und gendertechnisch korrekt: „Dass Nazi-Deutschland sechs Millionen Jüdinnen und Juden auf dem Gewissen hat, gehört zu unserer Geschichte… Wenn Jüdinnen und Juden mich daran erinnern, dann ist dies ihr gutes Recht.” Nur eines hatte sie an der Verbalattacke auszusetzen: “Fragwürdig wird es nur, wenn diese Mahnung aus der extrem-nationalistischen Ecke kommt, wie mir bescheinigt wurde.“

Ja, wenn sie jemand aus der extrem linken Ecke angepöbelt hätte, wäre das nicht fragwürdig sondern ein Denkanstoss gewesen. Daheim angekommen, hätte sie ihren Bericht über die Reise nach Jerusalem mit den Worten begonnen: “Liebe Antisemitinnen und Antisemiten!”

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