Sie haben das Recht zu schweigen. Henryk M. Broders Sparring-Arena

Henryk M. Broder

03.09.2011   16:34   +Feedback

Ein IM kommt nie allein

Dass Gregor Gysi in seiner eigenen Partei so viel zu sagen hat, wie eine alte Puffmutter auf der Reeperbahn, die sich um das Ansehen ihres Berufsstandes sorgt, weil die Mädels sich nicht an die Preisabsprachen halten, ist inzwischen kein Geheimnis mehr, über das auf Versammlungen der mutierten SED getuschelt wird. In fast jeder Auseinandersetzung hebt Gysi wie eine Sojus-Rakete ab, um nach einem kurzen Flug wie eine Halloren-Kugel aufzuschlagen. Zuletzt hat es das kleine Großmaul nicht einmal geschafft, einen Anzeigenboykott seiner Fraktion gegenüber der “jungen Welt” durchzusetzen, nachdem sich diese zum 50. Jahrestag des Mauerbaus bei den Mauerschützen und Mauerschützern für die gute Arbeit bedankt hatte. “Wir sagen an dieser Stelle einfach mal: Danke für 28 Jahre Friedenssicherung in Europa.”

Nun solidarisieren sich einzelne Mitglieder der SED/PDS/Links-Fraktion mit dem Blatt, das - vom Chefredakteur abwärts - zur Zuflucht ehemaliger MfS-Mitarbeuter geworden ist, allen voran MdB Diether Dehm, der seinerseits jahrelang “unwissentlich” von der Stasi “abgeschöpft” wurde. Wozu er öfter zu konspirativen Treffen nach Ost-Berlin, Hauptstadt der selbständigen politischen Einheit DDR, reisen musste. Wie es dabei zuging, kann man in seiner Stasi-Akte nachlesen, die einige hundert Seiten umfasst und vor allem die Kontinuität des unheilbar gesunden deutschen Gewissens dokumentiert. So unwissentlich wie Walter Jens, Dieter Hildebrandt, Martin Walser und Erhard Eppler der NSDAP beigetreten wurden und wie Günter Grass in die Waffen-SS genötigt wurde, so wurde auch Diether Dehm, ohne es zu merken, zum IM Dieter und IM Willy befördert, Reisespesen und Taschengeld inklusive.

“Wir Künstler”, erklärt Dehm auf der Homepage der jW, “brauchen dieses widerständige Blatt”. Nun ist die jW so “widerständig” wie es auch der “Stürmer” mal war: antikapitalistisch, antiamerikanisch und antizionistisch/antisemitisch. Dennoch ist an dem Satz von Dehm was dran. Er ist ein großer Künstler. Er hat seine politische Karriere bei den Jusos als IM Dieter und IM Willy begonnen, nun ist er MdB und im Vorstand seiner Partei. Da muss sogar IM Notar staunen.

 

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