Sie haben das Recht zu schweigen. Henryk M. Broders Sparring-Arena

Henryk M. Broder

29.03.2012   09:28   +Feedback

Weg mit dem Dreck!

Zu den schönen Bräuchen, die zugleich mit der DDR untergegangen sind,  gehört auch der „Subbotnik“, ein mehr oder weniger freiwilliger Arbeitseinsatz an einem ansonsten arbeitsfreien Tag. Schulklassen, Hausgemeinschaften und Arbeitsbrigaden rückten aus, um Straßen zu reparieren, Müll einzusammeln oder heruntergekommene Rentner-Wohnungen zu putzen. Die Teilnahme an einem „Subbotnik“ brachte den Aktivisten „Pluspunkte“ ein, die beim Antrag auf Zuteilung einer Wohnung oder eines Telefonanschlusses entsprechend berücksichtigt wurden.

Das ist alles lange her, kaum jemand weiß noch, was ein „Subbotnik“ ist, aber die Idee als solche ist nicht tot. Sie heißt jetzt „Weg-mit-dem-Dreck!“

Letzten Freitag war es wieder so weit. Ganz im Stil der „aktuellen kamera“ der DDR berichtete das Nachrichten-magazin „heute“ des ZDF über den Einsatz einer Düsseldorfer Grundschulschulklasse beim Mülleinsammeln in einer städtischen Parkanlage. Die Lehrerin, hieß es aus dem Off, achte darauf, „dass ihre Schüler schon früh das richtige Bewusstsein entwickeln, auch die, die zu Hause vielleicht keinen Umweltschutz vorgelebt bekommen“.

Erschienen in der Weltwoche am 29.3.12

Die Kinder selbst waren von ihrer Aufgabe sehr angetan, denn sie hatten nicht nur einen Tag schulfrei, sondern bereits „das richtige Bewusstsein“ für den Umweltschutz entwickelt, soll heißen, sie waren einer Gehirnwäsche unterzogen worden, wie sie auf deutschen Schulen inzwischen Routine ist. Immer mehr Schüler lernen immer weniger, haben Probleme mit dem Lesen und dem Schreiben, aber wenn sie mit der Schule fertig sind, wissen sie, welchen Beitrag sie zur Rettung des Klimas leisten können und wie sehr es dabei auf ihre persönliche CO2-Bilanz ankommt. „Klimadetektive“ achten auf den sparsamen Umgang mit der Energie und auch darauf, dass die Klassenzimmer zwar regelmäßig aber nicht zu lange gelüftet werden. Das ist gelebter Umweltschutz.

In der DDR waren es Junge Pioniere, die TV-Antennen abknickten, die zum Westen ausgerichtet waren. Auch das war ein Beitrag zum „Umweltschutz“ und Beweis des richtigen Bewusstseins.

 

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