Sie haben das Recht zu schweigen. Henryk M. Broders Sparring-Arena

Henryk M. Broder

10.08.2012   17:57   +Feedback

Praeputium Germaniae Anno Domini 2012

Vom “Praeceptor Germaniae” zum “Praeputium Germaniae” ist es nur ein kleiner Schritt bzw. Schnitt. Das Thema bleibt auf der nationalen Agenda des Sommers 2012.

Wie unsere Autorin Antje Sievers völlig richtig bemerkt hat, handelt es sich um ein Männerthema, das vor allem Männer auf- und erregt. Kein Wunder, auch der “Penisneid” ist eine männliche Spezialität. Und so wird die Liste derjenigen, die sich zu diesem Thema äußern, immer länger. Die “Gliedvorzeiger”, wie Exhibitionisten im Polizeijargon genannt werden, lassen, einer nach dem anderen, coram publico die Hosen runter. Hat die “Apothekenrundschau” oder der Verband der niedergelassenen Urologen womöglich einen Wettbewerb um die “Goldene Vorhaut” ausgelobt, die zugleich mit dem “Goldenen Lenkrad” im Gasthof “Zum Goldenen Löwen” in Bayreuth verliehen wird?

Noch eindrucksvoller als die Berichte der Betroffenen (mit und ohne) sind die akademischen Stellungnahmen, in denen das Thema in einen gesellschaftlichen Kontext eingeordnet wird. Sozusagen von Adam und Eva bis zu Ken und Barbie. Da führen zwei Experten das Feld an: unser Freund Thierry Chervel und der Göttinger Publizistik-Professor Wilfried Scharf. Sehr eindrucksvoll, mit welcher Liebe zum Detail sie sich dem Objekt ihres Interesses nähern, es von allen Seiten beleuchten und betrachten, es drehen und wenden - als wäre es ein seltenes Faberge-Ei.

Und kommenden Dienstag geht die nationale Peep-Show weiter, diesmal bei Frau Sandra. Sanctum praeputium domini! Dieses kleine Stück Haut hat schon immer ungeheure Phantasien freigesetzt. Und das tut es noch immer. Bei Ariern und Vegetariern, Dialektikern und Dogmatikern, Christen und Anarchisten, Freiern und Gefreiten.

Diesen Text von Matthias Küntzel (“Kontaminiertes Terrain”) sollten sie trotzdem lesen.

Siehe auch:
Das vor drei Wochen bekannt gewordene Moratorium betreffend Knabenbeschneidungen am Zürcher Kinderspital gilt nicht mehr. Die Spitalleitung lässt ab sofort auch wieder medizinisch nicht indizierte Eingriffe zu – aber nicht mehr gleich wie zuvor. http://www.nzz.ch/aktuell/zuerich/stadt_region/der-primat-des-zuwartens-1.17464750

 

 

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